… a thought making crooked all that is straight.

Lina Loos und die Befreiung der Liebe

Ich lese derzeit ein ausgezeichnetes Buch namens “Die unschicklichen Töchter, Frauenporträts der Wiener Moderne” von Hertha Kratzer. Gestern Abend las ich das Kapital über Lina Loos. Nach der Scheidung von ihrem Mann und das Selbstmord ihres Liebhabers (der sich umbrachte, nachdem sie sich entschied lieber ganz ohne Männergehörigkeit zu leben) lebte sie als eine allein stehende, finanziell unabhängige Frau (was damals höchst ungewöhnlich war). Sie war Schauspielerin und Schriftstellerin. Es war ausgerechnet eines ihrer Schauspiele das mich besonders imponierte. Es heißt “Wie man wird was man ist”. In ihrem Buch zitiert Kratzer einige Zeilen, die ich hier auch wiedergeben möchte:

Auf die Frage [von ihrem Mann], ob Ali [Hauptdarstellerin] glaubt, dass ihr Mann sie geliebt habe, antwortet sie: “Nein, das glaube ich nicht. Du wolltest dich selbst erweitern in mir. Du wolltest mich formen wie ein Werk. Ich will aber durch das Leben geformt werden, nicht von einem einzelnen Menschen. Dazu hast du mich gefangen, festgehalten, dazu brauchtest du die Ehe, die dir Macht und Rechte gab.” Darauf entgegnet der Mann: “Es ist nicht jedermanns Sache, für die freie Liebe einzutreten”, und Ali erwidert: “Ich bin nicht für die so genannte ‘freie Liebe’. – Ich bin für die Befreiung der Liebe, das ist etwas ganz anderes. Zur Liebe muss man reif sein, man muss sie erwarten und empfangen. Die Liebe zu einem Menschen muss Liebe zu allen Menschen werden.”

Und später zitiert Kratzer Loos:

“Die Ehe ist eine Konzession an die Menschen. Ich liebe die Menschen, aber ich räume ihnen keine Rechte über mein Leben ein. Ihr macht es gerade umgekehrt, ihr verachtet die Menschen, aber ihr richtet euer ganzes Leben nach dem ‘Urteil der Welt.'” Und trotzig lässt [Loos] ihr Alter Ego Ali sagen: “Die Gesellschaft. Die Gesellschaft ist irgendwer, ist irgendwo; aber hier stehe ich, wirklich und wahrhaftig, ganz allein verantwortlich für mein Leben, und wenn es der Gesellschaft nicht passt, passt eben die Gesellschaft nicht für mich.”

Jawohl!! Ich habe innerlich echt gejubelt, als ich ihre Worte las. Die Wahrheit ist mir durch eigene Beziehungen bekannt, aber auch durch die recht selbstvernichtenden Verhältnisse, die ich um mich herum sehe. Der Umfang des Missbrauchs ist enorm … alles ja wirklich durch eine unterdrückte Menschenverachtung, die sich in persönliche Beziehungen dann ihren Ausdruck findet. Nicht immer. Nicht überall. Nicht bei jedem. Aber genug dass ich darüber staunen muss – es ist wahrhaftig der Elefant im Zimmer, über den man nicht spricht… Sprechen wir, Gott verdammt, endlich mal von der Befreiung der Liebe!!

©StarofSeshat 2009

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